Genereller Spielaufbau
Die drei Phasen eines Spiels
Wieso unterteilt man ein Spiel in Phasen?
Genereller Spielaufbau
Anfangsphase oder Experimentierphase
Die ersten zwei Ends dienen dazu, wichtige Grundlagen für das weitere Spiel zu sammeln:
- das Eis kennenlernen und auf der ganzen Rinkbreite verschiedene Turns spielen
- die zu spielenden Längen möglichst ohne Wischeinsatz erfassen
- den Gegner und die eigenen Mitspieler studieren
- keine grossen Risiken eingehen und eher defensiv spielen
Wieso nur die ersten zwei Ends?
Genereller Spielaufbau
Spielmitte bei ausgeglichenem Spielstand
Ohne letzten Stein
- Der Gegner darf keinen grösseren Vorsprung erreichen.
- Wenn möglich Steine stehlen.
- Den Gegner zu einem Stein zwingen.
Mit letztem Stein
- Einen Vorsprung erreichen oder ausbauen – offensiv spielen.
Genereller Spielaufbau
Spielmitte bei unausgeglichenem Spielstand
Bei einem Vorsprung
Den Vorsprung verteidigen und defensiv spielen.
Bei einem Rückstand
Versuchen, den Rückstand wettzumachen und offensiv spielen.
Genereller Spielaufbau
Schlussphase
Bei Gleichstand
- Eine gute Ausgangslage für das letzte End schaffen.
- Im letzten End den letzten Stein besitzen.
- Einen Vorsprung mitnehmen.
Bei Differenz
- Im Rückstand: totale Offensive.
- Im Vorsprung: totale Defensive.
Wie sieht die Phasenunterteilung bei einem Spiel auf acht Ends aus?
Offensiv spielen
Der offensive Spielaufbau
Für einen offensiven Spielaufbau muss man zwei Fragen klar voneinander trennen:
Warum müssen wir diese beiden Fragen trennen?
Wann spiele ich offensiv?
Drei entscheidende Situationen
Es gibt viele mögliche Antworten. Für die Praxis beschränken wir uns auf die drei wichtigsten Situationen.
Wann spiele ich offensiv?
Die 1. Antwort
Wenn wir den letzten Stein haben
Mit dem letzten Stein wollen wir zwei oder mehr Steine schreiben. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir etwas mehr riskieren und möglichst in den äusseren, blau markierten Zonen spielen.
Wie spielen wir mit dem letzten Stein?
Wann spiele ich offensiv?
Die 2. Antwort
Wenn wir mit mehr als zwei Steinen im Rückstand sind
Bei einem solchen Rückstand müssen wir ein grösseres Risiko eingehen, damit das Spiel noch gedreht werden kann.
Wie spiele ich, wenn ich nur einen Stein im Rückstand bin?
Wann spiele ich offensiv?
Die 3. Antwort
Im Zusatzend ohne den letzten Stein
Um zu gewinnen, müssen wir einen Stein stehlen. Deshalb spielen wir zuerst eine Guard in den markierten Sektor und danach einen Draw dahinter.
Wieso nicht zuerst einen Stein ins Haus und danach eine Guard?
Wann spiele ich offensiv?
Warum zuerst eine Guard?
Trifft der Gegner die Guard so, dass sein Stein stehen bleibt, können wir diesen Stein als Guard verwenden und dahinter spielen. Der Gegner muss dadurch präziser spielen. Die Chance, dass ein Stein im Spiel bleibt, ist grösser.
Wie spiele ich offensiv?
Vier Grundprinzipien
Beim offensiven Spiel müssen wir vier Grundprinzipien beachten.
Wie spiele ich offensiv?
1. Grundprinzip: risikoreich spielen
Offensiv spielen heisst angreifen. Wir setzen den Gegner unter Druck und wollen ihn zu Fehlern zwingen. Dafür müssen wir selbst mehr riskieren und bewusst ein höheres Risiko eingehen.
Wie kann man den Gegner stärker unter Druck setzen?
Wie spiele ich offensiv?
2. Grundprinzip: viele Steine im Spiel
Ein Haus mit vielen Steinen kann für beide Parteien gefährlich werden. Wer angreifen muss, nimmt dieses Risiko bewusst in Kauf. Ein Fehler des Gegners kann die Partie zu unseren Gunsten entscheiden.
Wie spiele ich offensiv?
3. Grundprinzip: keinen Take-Out spielen
Viele Steine bleiben nur dann im Spiel, wenn wir möglichst keinen Take-Out spielen. Jeder entfernte Stein reduziert die offensiven Möglichkeiten.
Wieso wollen wir eine solche Situation?
Wie spiele ich offensiv?
4. Grundprinzip: mit Guards angreifen
Eine Guard hilft uns unabhängig davon, wer sie gespielt hat. Für den Gegner ist ein Take-Out auf eine Guard schwieriger, weil er sie nicht gerade treffen darf. Dadurch wächst die Chance, dass ein Stein im Spiel bleibt.
Warum erreichen wir das Ziel nicht einfach mit Freezes ins Haus?
Wie spiele ich offensiv?
Wo spielen wir die Guards?
Jeden Freeze kann man mit einem schnellen Take-Out entfernen. Deshalb spielen wir Guards:
- mit letztem Stein: in die äusseren blauen Zonen
- ohne letzten Stein: in die rote Mittelzone
Wie spielen wir mit dem letzten Stein?
Zusammenfassung
Der offensive Spielaufbau
Wann spiele ich offensiv?
- mit dem letzten Stein
- mit mehr als zwei Steinen Rückstand
- im Zusatzend ohne letzten Stein
Wie spiele ich offensiv?
- risikoreich
- viele Steine im Spiel
- kein Take-Out
- mit Guards
Warum müssen wir „wann“ und „wie“ voneinander trennen?
Defensiv spielen
Der defensive Spielaufbau
Für einen defensiven Spielaufbau muss man zwei Fragen klar voneinander trennen:
Warum müssen wir diese beiden Fragen trennen?
Wann spiele ich defensiv?
Vier entscheidende Situationen
Es gibt viele mögliche Antworten. Für die Praxis konzentrieren wir uns auf die vier wichtigsten Situationen.
Wann spiele ich defensiv?
Die 1. Antwort
In der Anfangsphase des Spiels
In den ersten zwei bis drei Ends müssen alle Spieler die Eisverhältnisse kennenlernen. Deshalb sollte noch nicht zu viel riskiert werden.
Was ist mit Eisverhältnissen gemeint?
Wann spiele ich defensiv?
Die 2. Antwort
Wenn wir mit mehr als zwei Steinen im Vorsprung sind
Bei einem solchen Vorsprung geht es darum, diesen zu verteidigen. Nicht wir müssen angreifen – der Gegner muss das Spiel öffnen und die Initiative übernehmen.
Wann spiele ich defensiv?
Die 3. Antwort
Wenn wir nicht den letzten Stein haben
Unser Minimalziel ist, den Gegner mit letztem Stein nur einen Punkt schreiben zu lassen. Wir greifen ohne letzten Stein nicht unnötig an, sondern warten, bis wir den letzten Stein haben.
Wieso wollen wir nicht zuerst einen Stein stehlen und danach angreifen?
Wann spiele ich defensiv?
Die 4. Antwort
Im Zusatzend mit letztem Stein
Auch wenn der Gegner bereits einen Stein im Haus hat, können wir das Spiel gewinnen, solange kein Stein in der roten Mittelzone liegen bleibt. So verhindern wir, dass der Gegner hinter einen zentralen Stein spielen kann.
Wieso nicht zuerst einen Stein ins Haus und danach eine Guard?
Wie spiele ich defensiv?
Vier Grundprinzipien
Die defensive Spielweise ist im Wesentlichen das Gegenteil der offensiven Spielweise.
Wie spiele ich defensiv?
1. Grundprinzip: risikoarm spielen
Risikoarm bedeutet: Wir wählen möglichst einfache, kontrollierbare Steine und halten die Situation im Haus übersichtlich.
Was sind leichte Steine?
Wie spiele ich defensiv?
2. Grundprinzip: wenig Steine im Spiel
Viele Steine machen ein End für beide Parteien gefährlich. Wer mit wenig Risiko spielen will, sorgt für eine einfache und übersichtliche Situation im Haus.
Wieso versuchen wir, möglichst wenige Steine im Spiel zu behalten?
Wie spiele ich defensiv?
3. Grundprinzip: viele Take-Outs spielen
Um eine übersichtliche Situation im Haus zu erreichen, entfernen wir jeden gefährlichen Stein – nötigenfalls auch einen eigenen Stein, wenn er die Situation unnötig kompliziert.
Müssen wir auch auf eigene Steine spielen?
Wie spiele ich defensiv?
4. Grundprinzip: keine Guards zulassen
Damit das Haus übersichtlich bleibt, entfernen wir jeden gefährlichen Stein. Vor allem die rote Mittelzone vor dem Haus muss frei bleiben, damit jeder Stein im Haus direkt angespielt werden kann.
Auf welchen Stein spielen wir, wenn ein gegnerischer Stein vor dem Haus und einer im Haus liegt?
Zusammenfassung
Der defensive Spielaufbau
Wann spiele ich defensiv?
- in der Anfangsphase des Spiels
- mit mehr als zwei Steinen Vorsprung
- ohne den letzten Stein
- im Zusatzend mit letztem Stein
Wie spiele ich defensiv?
- risikoarm
- wenig Steine im Spiel
- viele Take-Outs
- ohne Guards
Warum müssen wir „wann“ und „wie“ voneinander trennen?
Spiel ohne letzten Stein
Das Spiel ohne den letzten Stein
Für das Spiel ohne den letzten Stein müssen wir uns drei goldene Regeln vor Augen halten.
Wie könnten diese drei Regeln heissen?
Spiel ohne letzten Stein
Die 1. Regel
Eigenes Spiel in der Mitte aufbauen
Wir bauen unser Spiel in der zentralen, blau markierten Zone auf. Dadurch wird es für den Gegner schwieriger, seinen letzten Stein direkt auf den Dolly zu legen.
Spiel ohne letzten Stein
Die 2. Regel
Der Gegner darf nur einen Stein schreiben
Mit dem letzten Stein kann der Gegner bei solidem Spiel meist mindestens einen Punkt erzielen. Unser Ziel ist deshalb, ihm nicht mehr als einen Stein zu erlauben.
Spiel ohne letzten Stein
Die 3. Regel
Defensiv spielen
Weil wir dem Gegner höchstens einen Punkt zugestehen wollen, entfernen wir jeden gefährlichen Stein – sowohl vor als auch im Haus. Besonders wichtig sind gegnerische Steine vor dem Haus, die als Guards dienen können.
Siehe auch «Defensiver Spielaufbau».
Zusammenfassung
Die Taktik ohne den letzten Stein
Drei Regeln
- eigenes Spiel in der Mitte aufbauen
- der Gegner darf nur einen Stein schreiben
- defensiv spielen
Merksatz
Ohne letzten Stein kontrollieren wir die Mitte, reduzieren Risiken und halten das End möglichst einfach.
Welche Regeln gelten für das Spiel mit dem letzten Stein?
Für Fortgeschrittene
Entstehung eines 3er-Hauses
Drei Steine schreibt man nicht einfach so. Dafür braucht es einen sehr gut gespielten letzten Stein, Bereitschaft zum Risiko und möglichst wenige Take-Outs.
Schritt für Schritt eine Situation aufbauen, in der mit dem letzten Stein drei Punkte möglich werden.
3er-Haus aufbauen · Schritt 1 von 8
1. Schritt – zwei Cornerguards
Als Erstes benötigen wir zwei Guards, am besten Cornerguards. Diese Ausgangslage muss entstehen, bevor unser erster Stein von Spieler Nr. 3 gespielt wird.
3er-Haus aufbauen · Schritt 2 von 8
2. Schritt – hinter die erste Guard
Wir spielen den ersten Stein von Spieler Nr. 3 hinter eine Guard. Sinnvoll ist die Guard auf der Seite, auf der das Eis weniger curlt; weshalb, wird im weiteren Ablauf sichtbar.
3er-Haus aufbauen · Schritt 3 von 8
3. Schritt – der Gegner cleart
Der Gegner spielt seinen zweiten Stein von Spieler Nr. 3. Defensiv versucht er mit einem Clearing-Take-Out, seine eigene Guard aus dem Spiel zu entfernen.
3er-Haus aufbauen · Schritt 4 von 8
4. Schritt – hinter die andere Guard
Wir spielen den zweiten Stein von Spieler Nr. 3 hinter die andere Guard, möglichst auf der Seite mit dem besser berechenbaren Eis. Der Stein soll so weit im Haus liegen, dass ein Freeze an diesen Stein noch möglich ist.
3er-Haus aufbauen · Schritt 5 von 8
5. Schritt – Hit-and-Roll des Gegners
Der Gegner spielt den ersten Stein von Spieler Nr. 4. Er versucht, den offenen Stein so zu treffen, dass sein eigener Stein in die Mitte rollt. Wir nehmen für dieses Beispiel an, dass er gerade trifft.
3er-Haus aufbauen · Schritt 6 von 8
6. Schritt – nochmals hinter die Guard
Wir spielen den ersten Stein von Spieler Nr. 4 wieder hinter dieselbe Guard, beispielsweise als Freeze auf Shot. Ein Take-Out mit Wick wäre deutlich schwieriger als ein Draw hinter die Guard.
3er-Haus aufbauen · Schritt 7 von 8
7. Schritt – Gegner unter Druck
Der Gegner spielt seinen letzten Stein. Er steht stark unter Druck und muss sich zwischen mehreren Varianten entscheiden, etwa einem Freezeversuch an den Shot.
3er-Haus aufbauen · Schritt 8 von 8
8. Schritt – unser letzter Stein
Wir spielen den letzten Stein. Mit einem sehr guten Abschlussstein entsteht die Möglichkeit, drei Steine zu schreiben.
Für Fortgeschrittene
Free-Guard-Zone-Regel
Die Free-Guard-Zone erleichtert den offensiven Aufbau, weil Guards in der Anfangsphase nicht entfernt werden dürfen. Daraus ergibt sich die zentrale Frage:
Siehe auch die Lektion „Defensiver Spielaufbau“.
Free-Guard-Zone-Regel
Ausgangssituation
Will der Gegner angreifen, kann bereits nach seinem ersten Stein diese Situation entstehen: eine Center-Guard liegt vor dem Haus.
Wie reagieren wir defensiv? Es gibt mehrere Möglichkeiten.
Welche Möglichkeiten kommen infrage?
1. Möglichkeit
Soft-Peeling
Der Guard wird seitlich verschoben, ohne ihn aus dem Spiel zu entfernen. Dieser Stein ist schwierig zu spielen, bietet dem Gegner danach aber keine direkte Angriffsfläche und ist deshalb häufig die beste defensive Lösung.
Welche Länge sollte der Stein haben?
2. Möglichkeit
Den gegnerischen Stein ins Haus stossen
Der Guard wird ins Haus gespielt. Danach kann man den gegnerischen Stein mit dem zweiten Stein des Leads angreifen; wir spielen somit nur mit dessen erstem Stein.
Diese Variante sollte nur bei einer Short-Guard gespielt werden.
3. Möglichkeit
Durchspielen
Das ist die sicherste defensive Lösung. Der Gegner kann danach seinen zweiten Stein stehlen, wenn ihm kein Fehlstein unterläuft.
Darum wird diese Variante vor allem bei grossem Vorsprung gespielt.
Wieso steht der Gegner bei optimalem Spiel zwei Steine?
4. Möglichkeit
Auf die Seite spielen
Diese Lösung ist offensiv und eröffnet dem Gegner eine weitere Angriffsmöglichkeit. Später wird es für uns schwieriger, die Guard wegzuspielen, weil sie nicht genau getroffen werden darf.
5. Möglichkeit
Hinter die gegnerische Guard spielen
Diese Variante ist gegen jede defensive Regel, gibt dem Gegner aber zusätzliche Chancen anzugreifen. Für den Skip gilt: Entweder liegt der Stein optimal hinter der Guard, oder ein Soft-Peeling ist vorzuziehen.
Diese Möglichkeit wird heute von vielen Teams praktiziert.
Zusammenfassung
Free-Guard-Zone-Regel: fünf Möglichkeiten
- Soft-Peeling
- gegnerischen Stein ins Haus stossen
- durchspielen
- auf die Seite spielen
- hinter die gegnerische Guard spielen
In welcher Spielsituation wählst du welche Möglichkeit?